STADTENTWICKLUNG: Molche auf dem Biomalz-Gelände. Mehrere Werkstätten für behinderte Menschen etabliert.

TELTOW - Das ehemalige Biomalz-Betriebsgelände an der Potsdamer Straße in Teltow erwacht mehr und mehr zu neuem Leben. Das einstige Verwaltungsgebäude ist inzwischen mit Ausnahme der ersten Etage voll vermietet und auch das Produktionsgebäude wird wieder genutzt. Dort belegt die „Union Sozialer Einrichtungen“ (USE) mittlerweile zweieinhalb Etagen. Das gemeinnützige Unternehmen bietet in Berlin und Brandenburg mehr als 750 psychisch kranken und behinderten Menschen Bildungs-, Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Laut USE-Betriebsstättenleiter Michael Meyer hat sein Unternehmen im Biomalz-Gebäude rund 750 Quadratmeter angemietet. Seit November 2009 bestehe die Digitaldruckerei in der ersten Etage, im Januar sei eine Metallbauwerkstatt in der zweiten Etage hinzugekommen. Derzeit wird außerdem eine Lehrwerkstatt für das Bauhandwerk eingerichtet. Die USE-Schützlinge sollen dort insbesondere die ökologische Bauweise kennenlernen. „Wir denken auch darüber nach, eine Schneiderei einzurichten“, so Betriebsstättenleiter Meyer.

Bereits seit zwei Jahren besteht die Außenstelle der Kreismusikschule „Engelbert Humperdinck“ im Biomalz-Produktionsgebäude. Dort hofft man darauf, dass sich ein weiterer Plan der Projektentwickler verwirklichen wird: Im alten Heizhaus soll ein Konzertsaal eingerichtet werden, der Publikum auf den ehemaligen Biomalz-Hof locken würde.

Nicht unumstritten war der Neubau einer Halle im Blickfeld des markanten Hauptgebäudes. Dort wird mit Oldtimern gehandelt. Erhard Wigand, Enkel des Biomalz-Gründers, hält die Halle aber für „verträglich“. Mit dem Denkmalschutz sei der Neubau abgesprochen gewesen. „Die Vermarktung dieser Fläche war wichtig, um einige der wertvollen Gebäude sanieren zu können.“ Eine völlig neue „Lebenswelt“ ist unterdessen im nördlichen Bereich des weitläufigen Areals entstanden. Der Naturexperte und Stadtverordnete Eberhard Adenstedt hat dort gemeinsam mit Mitstreitern der Lokalen Agenda ein Biotop angelegt. „Wir haben tonnenweise Müll aus dieser Ecke rausgeholt“, berichtet er.

35 000 Euro habe der Bau des Teiches gekostet – eine Ausgleichsmaßnahme für den Hallenneubau des Oldtimerhandelshauses. Der Tümpel soll Lebensraum für Eidechsen und Molche werden. „Wir werden aber sicher noch zwei bis drei Jahre brauchen, bis sich das Biotop voll entwickelt hat“, so Adenstedt. Der Teich liegt unmittelbar am alten „Biomalz-Graben“, den die Vorväter weitsichtig angelegt hatten. „Über den Graben wurde das Kühlwasser aus dem Betrieb abgeleitet“, so Adenstedt. Er reichte bis zur Potsdamer Straße und weiter bis zur Bäke. Adenstedt plädiert für eine Erweiterung des Biotops, stößt mit seinem Wunsch aber an kommunale Grenzen. „Hinter dem Graben beginnt Stahnsdorf und dort gab es bislang kein Interesse an einer Kooperation mit der Lokalen Agenda.“

Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung 21.07.2010
(Von Jürgen Stich)

Teltow will sich für den bundesweiten Wettbewerb „Unsere Stadt blüht auf“ bewerben (09.04.10)

Teltow - Ein Hauch von Frühling weht durch die Vorgärten der Teltower Siedlungen. An den großen Durchfahrtsstraßen sind solche Farbtupfer noch eher selten. Doch im nächsten Jahr soll ganz Teltow aufblühen, denn die Stadt will sich an den „grünen Landesmeisterschaften“ beteiligen. „Unsere Stadt blüht auf“, lautet das Motto des bundesweiten Wettbewerbs, der mehr Natur in die Städte bringen soll. Seit 2001 gibt es den Wettbewerb, für den sich Gemeinden mit mehr als 3000 Einwohnern und Städte mit mehr als 15000 Einwohnern anmelden können. Auch die Stadt Werder hat schon mit Erfolg teilgenommen. Eine Jury nimmt öffentliche, private und gewerbliche Bereiche unter die Lupe, ebenso werden der Natur- und Umweltschutz, die Gartenkultur sowie der Gesamteindruck bewertet.

Für öffentliche Bereiche gibt es die meisten Punkte, erläutert der Erste Beigeordnete Thomas Koriath, der die Stadt auf das Projekt einstimmen will und bereits erste Ideen gesammelt hat. Beispielsweise kann er sich für die Altstadt einen Wettbewerb „Unser schönster Innenhof“ vorstellen, ebenso einen Balkonwettbewerb und eine Pflanzaktion in Kindergärten und Horten. Koriath setzt dabei auf breite Unterstützung, auch um viele bereits vorhandene Potenziale, Ansätze und Ideen weiter auszubauen. Dazu gehören die Agenda-Projekte Blumenampeln in der Altstadt sowie die Artenschutz-Wege in Seehof und Sigridshorst. Die Beteiligung der Bürger werde hoch bewertet, so Koriath, und „ein grüner Impuls stärkt auch das Wir-Gefühl“. Kurzfristige Events würden bei dem Wettbewerb keine große Rolle spielen, vielmehr ginge es um nachhaltige Projekte wie das der Nisthilfen im Stadtbereich. Dafür engagiert sich Teltows Naturschutzbeauftragter Hans-Hermann Noack, der hartnäckig und erfolgreich für mehr Quartiere für Mauersegler, Fledermäuse und Turmfalken warb. Seit einigen Jahren plant nun die Stadt solche Nisthilfen bereits automatisch bei Sanierungs- und Bauvorhaben mit ein. Auch Firmen setzten bereits Signale in Sachen Umweltschutz. So wurde als Ausgleichsmaßnahme für einen Neubau auf dem Gewerbeglände von Biomalz ein Biotop geschaffen, das Tieren einen Lebensraum bietet, die einst in dieser Landschaft ansässig waren. Das landesweit einmalige Pionierprojekt wurde von der Agendagruppe „Grünausgleich“ unterstützt. Auch die Kommune selbst engagiert sich beim Erhalt von Biotopen, beispielsweise den Röthepfuhl in Ruhlsdorf.

Um vor allem Kinder an Natur heranzuführen, sieht Koriath gleich mehrere Anknüpfungspunkte. Schulgärten, gesunde Ernährung und Tierschutz sind die Themen, die ganz praktisch vermittelt werden könnten. Die Begeisterung der Jüngsten stecke so hoffentlich auch die Eltern an. Akzente will Teltow beim Wettbewerb ebenso in der Kanalaue setzen. Trotz gestoppter Fördergelder könnte ein Teil der geplanten Wegstrecke umgesetzt werden, um ein Zeichen zu setzen, dass an den Plänen festgehalten wird, hofft Koriath noch auf tatkräftige Mithilfe. Bis zum 15. Januar nächsten Jahres will die Stadt Teltow ihre Konzeption zum Wettbewerb einreichen, vorausgesetzt die Stadtverordneten stimmen dem Vorhaben zu, das demnächst in den Gremien beraten werden soll. Anschließend will die Stadt Vereine, Initiativen, Bürger und Gewerbetreibende zu einer Auftaktveranstaltung einladen, um weitere Ideen und Anregungen zu sammeln, aus denen dann konkrte Pläne erwachsen sollen.

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten (Kirsten Graulich) 09.04.10