Sanierung des historischen Fabrikstandortes Biomalz zum großen Teil abgeschlossen

Über viele Jahre haben die historischen Fabrikgebäude im Herzen des Teltower Biomalz Gewerbehofes an der Iserstraße ein Schattendasein gefristet. Klinkersteine bröckelten aus den Fassaden, Stromleitungen zogen sich planlos von Haus zu Haus und Fenster waren zum Teil kaputt. All das gehört der Vergangenheit an. Im Jahr 2005 wurde ein sogenannter Masterplan für den gesamten Gewerbehof entwickelt. Seit 2008 werden die denkmalgeschützten Bauwerke saniert. Inzwischen ist der überwiegende Teil der Instandsetzung des historischen Kerns abgeschlossen – pünktlich zum Jubiläum, denn das Gebäude-Ensemble wird in diesem Juli 100 Jahre alt.

Der Rundgang über den historischen Fabrikstandort beginnt vor dem Haus 1, dem „Alten Kontorhaus“. Bei dem Gebäude handelt es sich um ein dreigeschossiges Bauwerk, das direkt an die zwei auffälligen Rundbögen am ehemaligen Fabrik-Eingang grenzt. Auch das alte Pförtnerhäuschen
ist noch erhalten geblieben. Darin befindet sich heute der Kostümverkauf der Tanzschule Kurrat.„Im Alten Kontorhaus hatte einst der Firmengründer Myro Patermann sein Büro“, erläutert Juliane Karsten von der Biomalz Gewerbehof GmbH. Die Firma ist für die Hausverwaltung des gesamten Gewerbehofes zuständig.

Myro Patermann gründete gemeinsam mit seinen Brüdern 1907 die „Biomalz-Fabrik Gebr. Patermann“ in Teltow. Vier Jahre später konnte die
Fabrikanlage eingeweiht werden. „Mit ihrer roten Backsteinfassade gehört sie zu den bedeutendsten Industriedenkmälern der Region Teltow-Kleinmachnow-Stahnsdorf“, schreibt der Berliner Historiker Dr. Alexander Ruoff.

Die Fabrik sei einst ein mustergültiger Betrieb zur Produktion von Malz-Erzeugnissen gewesen. Mit den eigenen Ländereien sowie der Tischlerei und Schlosserei habe das Unternehmen absolut eigenständig arbeiten können. Die Fabrikkonstruktion in Skelettbauweise sei für die damalige Zeit hochmodern gewesen und orientierte sich an den Erfordernissen einer effizienten Produktion.

„Wenn Herr Patermann einmal nach seinen Arbeitern schauen wollte, konnte er trockenen Fußes in die Fabrik gehen“, verrät die Hausverwalterin weiter. Denn über den Torbögen befinde sich ein überdachter Gang. Er führe direkt ins Haus 2, in die „Alte Fabrik“. Dort befand sich früher die Produktionsstätte der Biomalz-Produkte. Eines der Haupterzeugnisse war der aus Gerste gewonnene Malzextrakt. Heute haben in der Alten Fabrik unter anderem die Teltower Außenstellen der Kreismusikschule und Kreisvolkshochschule von Potsdam-Mittelmark sowie die gemeinnützige Union Sozialer Einrichtungen (USE) ein neues Zuhause gefunden.

„Ich finde es angenehm, in einem so schönen Ambiente zu arbeiten“, beschreibt Liliane Schilling, Leiterin des Bereiches Hauswirtschaft und der Kantine der USE. Der Klinkerbau des Fabrikgebäudes habe etwas Natürliches und Ursprüngliches. Es sei wichtig, solche Gebäude für die nachfolgenden Generationen zu erhalten. Die USE bietet psychisch kranken und behinderten Menschen Bildungs-, Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten in Berlin und Brandenburg. Speziell in Teltow gibt es unter anderem eine Buchbinderei, einen Digitaldruck-und Lettershop, eine Werkstatt für Metallbau sowie eine Schneiderei.

Weiter geht der Rundgang zum Haus 3, dem „Alten Kesselhaus“. Die Sanierung des 300 Quadratmeter großen Gebäudes ist noch nicht beendet. „Hier soll später einmal eine Veranstaltungshalle für etwa 180 Gäste entstehen“, erklärt Juliane Karsten. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich das Haus 8, das ebenfalls zum historischen Kern gehört. In der „Alten Quellmühle“, wo einst die Gerste gemahlen wurde, werden künftig die Schüler der Computerschule „media-4kids“ unterrichtet.

„Uns ist es wichtig, dass sich neben kommerziellen Unternehmen hier auf dem Gelände auch künstlerische, kulturelle und soziale Institutionen ansiedeln“, sagt Karsten. Denn der Standort, der insgesamt 36.000 Quadratmeter groß ist, soll kein reines Gewerbegebiet sein. Inzwischen hätten etwa 50 Mieter unter dem Dach des Biomalz-Gewerbehofes eine neue Heimstätte gefunden. Zum gesamten Areal zählen neben den historischen Häusern auch zahlreiche Neubauten. Das fünfte Gebäude, das zum Ensemble der ehemaligen Fabrik gehört, ist das Haus 6, das „Alte Kutscherhaus“. Anfangs waren hier die Pferde, später die Kutschen untergebracht. Die obere Etage wurde zu einer Wohnung ausgebaut. Heute befindet sich hier das Büro des Eigentümers des Biomalz-Gewerbehofes, die Salem Grundstücksgesellschaft. „In die Sanierung der historischen Gebäude sind bis jetzt rund 2,3 Millionen Euro geflossen“, erläutert Florian Lewens, Geschäftsführer der Eigentümergesellschaft.

Der Gesellschafter-Geschäftsführer der Firma Biomalz-Gewerbehof GmbH ist Erhard Wigand, Stadtverordneter von Teltow und Nachfahre des Firmengründers. Seine Mutter, Margarethe Wigand, ist die Tochter von Myro Patermann. Zu DDR-Zeiten wurde der Fabrikbesitzer enteignet und der Betrieb in Volkseigentum überführt, schreibt der Historiker Alexander Ruoff weiter. Fortan trug die Fabrik den Namen „VEB Biomalz Walter Schütz“ und zählte zu den größten Arbeitgebern der Region.

„Nach der Wende traten die Erben von Patermann einen langen Kampf um die Rückgabe der Fabrik an“, so Ruoff. Die ungeordneten Eigentumsverhältnisse seien zunächst ein Hemmschuh für jegliche Investitionen gewesen. Erst mit dem Masterplan habe man mit der Neuentwicklung und Strukturierung des Fabrikstandortes beginnen können. Die ehemalige Firma Biomalz, die mittlerweile den Namen „Teltomalz“ trägt, produziert und vertreibt bis heute Biomalz, Bonbons und Backmischungen.

Anett Kirchner - Teltower Stadt-Blatt 05 2011

TELTOW - In diesem Jahr wird der Teltower Kunstsonntag nicht in der Altstadt stattfinden. Nach Auskunft von Organisator Dieter Leßnau wird erstmals die Biomalz-Fabrik in der Iserstraße 8/10 Schauplatz der Ausstellung sein. Der denkmalgeschützte Gebäudekomplex gehört zu den traditionsreichsten Orten Teltows. „Als Standort für den vierten Kunstsonntag eignet sich das Ensemble auf ideale Weise“, so Leßnau.

Der Kunstsonntag startet am 6. November um 11 Uhr und endet um 17 Uhr. „Die Beteiligung der Künstler ist kostenfrei“, erklärt Leßnau. Die Veranstaltung verstehe sich als „überregionales Podium mit dem Ziel, Künstler und Kunstinteressierte zusammenzuführen.

Einzelne Künstler, die sich für den Kunstsonntag bewerben wollen, können jeweils fünf Exponate einreichen. Verbände oder Organisatoren sind nicht zugelassen. Die Anmeldung ist noch bis zum 27. August möglich.

Der Teltower Kunstsonntag hat sich zu einem zentralen Ereignis innerhalb der regionalen Kulturszene entwickelt. Im vergangenen Jahr sorgten 300 Kunstwerke für eine bunte Vielfalt in der Altstadt. 95 Künstler hatten teilgenommen und acht Ausstellungsorte im historischen Zentrum der Stadt bestückt.

Das industriell geprägte Biomalz-Gelände wird die Künstler vor neue Herausforderungen stellen. Das Ensemble ist bereits mehr als 100 Jahre alt, die roten Backsteinhäuser prägen den Westteil der Stadt.

Die imposanten Fabrikgebäude werden inzwischen auf unterschiedliche Weise genutzt. Unter anderem hat dort die Kreismusikschule eine Außenstelle, außerdem befinden sich Behindertenwerkstätten auf dem Gelände.

Informationen zur Bewerbung für den Kunstsonntag gibt Dieter Leßnau unter 03328/44 77 11. (Von Jürgen Stich)

 

Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung, online.

Viele Auftritte hat die Tanzgruppe Kurrat, allerdings selten in der Region

tanzshowDie Tanzgruppe Kurrat – eigentlich Show Dance Company – existiert seit 1990. Einige Mitglieder aus dieser Zeit sind noch immer dabei, mittlerweile sind es fast 100. Ab vier Jahren kommen Kinder und werden in den ersten Jahren spielerisch an das Tanzen herangeführt. Dann folgen klassisch er Tanz, Folklore und moderne Tänze. Ab dem zehnten Lebensjahr, sagt Trainerin Kerstin Kurrat, geht es los mit Irisch em Steptanz. Das Repertoire umfasst über hundert Tänze, darunter Amerikanische Revuetänze, Hip Hop,Karibische und Spanische Shows. Während die Kleinen etwa acht Auftritte im Jahr absolvieren, treten die jugendlichen Tänzer meist an jedem Wochenende auf. Der mitreißende Cancan ist beim Publikum besonders beliebt und als feste Tanzgruppe des Bäkethaler Karnevalvereins waren sie damit schon im Fernsehen zu Gast. Ihre Show ging auch schon über die Bühne des Schlosstheaters in Sanssouci. Im letzten Jahren waren die Tanzgruppen Kurrat das erste Mal seit Jahren wieder auf dem Altstadtfest zu sehen. Organisiert ist die Gruppe in der Deutschen Schreberjugend. „Dadurch können wir verreisen und haben viele freundschaftliche Kontakte zu in- und ausländischen Tanzgruppen“, sagt Kerstin Kurrat. Jährlich fährt die Gruppe zu Auftritten nach Griechenland, wovor allem trainiert wird. Der Terminkalender ist stets gut gefüllt, nur in der Region sind die Auftrittsmöglichkeiten eingeschränkt, bedauert Kerstin Kurrat. Vor allem, weil Tanzen hier zu den beliebtesten Freizeithobbies vieler junger Leute zählt, kann sie nicht verstehen, dass es in der Region nur eine einzige professionelle Bühne gibt: die Kammerspiele. Die anderen sind meist zu klein, haben auch nicht das nötige Hinterland, manche nicht einmal einen Vorhang. Der Bedarf ist da für so ein Haus, aber seit Jahren werde diese Chance zunehmend verspielt, denn der Zustand verschlechtere sich sichtbar.

Quelle:
K.Graulich - BäkeCourier Ausg. 03/11 "JG.

In Teltows traditionsreicher Biomalzfabrik gibt es jetzt eine Behindertenwerkstatt mit 77 Plätzen (30.03.11)

20101108_use_xmasTeltow - Jonas Wehner sind seine Einschränkungen nicht anzusehen. Sorgfältig sortiert der 21-Jährige die Rechnungen. Das Stehen falle ihm schwer, sagt er, deshalb sitzt er auf einem Drehstuhl. Schon einen ganzen Stapel hat er heute abgearbeitet. Morgen übernimmt er den Telefondienst. Hier in den Teltower Büros der gemeinnützigen Gesellschaft Union Sozialer Einrichtungen (USE) darf Jonas Wehner zeigen, was er als Mensch mit Behinderung in einer Verwaltung leisten kann. Das Ziel des jungen Potsdamers: „Ich will für eine Ausbildung zugelassen werden“ - um so den Weg auf den Arbeitsmarkt zu finden. Auf dem früheren Teltower Biomalz-Areal hat die USE gestern ihre neue Betriebsstätte für behinderte Menschen eröffnet. In Kleinmachnow betreibt das gemeinnützige Berliner Unternehmen bereits seit 2008 eine Weiterbildungsstätte. In Teltow hat sich der Träger schon im November 2009 angesiedelt, anfangs aber nur mit einer Druckerei. Inzwischen ist das Projekt gewachsen. Auf drei Etagen des über hundertjährigen Backsteinbaus sind jetzt weitere Werkstätten für die Bereiche Haus- und Gartenbau, Metallbau, Verwaltung, Hauswirtschaft und eine Schneiderei entstanden. Perspektivisch soll es bald auch einen Veranstaltungsservice geben. Brandenburgs Sozialminister Günter Baaske (SPD) war gestern ebenso wie Landrat Wolfgang Blasig (SPD) vor Ort, um sich ein Bild von der Betriebsstätte zu machen - eine von 28 Behindertenwerkstätten landesweit. „Wir haben damit schon eine ganze Menge erreicht“, sagte Baaske. Die Werkstätten seien aber nur der erste Schritt. „Das normale Leben findet auch für Menschen mit Behinderung statt.“ Deren Teilhabe müsse von Anfang an als selbstverständlich gelten, in Kitas, in Schulen und auf dem Arbeitsmarkt. „Da haben wir noch eine Menge zu tun“, so Baaske. Martin Hennig hat sich in Teltow bereits eingelebt. Der 24-Jährige ist schon eine ganze Weile in der Schneiderei tätig. Von seiner Nähmaschine kann er fast über das gesamte Biomalz-Areal blicken. Gerade macht er die letzten Stiche für ein grün-gelbes Platzdeckchen. „Es soll was frühlingshaftes sein“, sagt er. Er fühle sich hier wohl und genieße die Ruhe bei seiner abwechslungsreichen Arbeit. In den sieben Werkstätten sollen 77 Menschen beschäftigt und weitergebildet werden, 25 sind bereits neben den neun festangestellten Betreuern und einer Sozialpädagogin tätig. Die USE will vor allem für psychisch kranke Menschen in Teltow ein Angebot schaffen. Der Bedarf sei vorhanden, sagte USE-Unternehmens-Chef Wolfgang Grasnick. Depression, Burn-out, Schizophrenie - „es kann jeden treffen“, erklärte er. Ob Chirurgen, Ingenieure, Minister oder Ungelernte, alle könnten in den Werkstätten versuchen, in das Berufsleben zurückzufinden. „Hier werden keine Schrauben sortiert oder Vogelhäuser gebaut, es geht um hochwertige Arbeiten", so Grasnick. So wird in der Bauwerkstatt mitunter an ganzen Carports oder Terrassendächern gearbeitet. Die Metallbauer fertigen Zäune und Tore. Die Druckerei druckt Visitenkarten und Zeitungen und im Bereich der Hauswirtschaft wird Wäsche gewaschen und gekocht. Bezahlt werden die beruflichen Rehabilitationsmaßnahmen vom Rentenversicherungsträger und der Bundesagentur für Arbeit. Viele Behinderte oder Kranke können sich zudem auf diesem Weg etwas zu ihrer Grundleistung dazuverdienen. Jonas Wehner macht seine Arbeit Spaß, sagt er. Schon seit November ist er im Verwaltungsbereich der Betriebsstätte tätig und hat viel dazugelernt. "Man kann sich hier ausprobieren", sagt er. Das finde er gut. Vielleicht will er später auch nochmal in die Druckerei wechseln. Das Angebot steht ihm offen.


Quelle:
Tobias Reichelt - PNN-online 30.03.2011

Kostüme und Requisiten warten im Pförtnerhaus auf wandlungsfreudige Besucher

kostumfundusSich einmal fühlen wie eine Prinzessin aus der Rokokozeit. DieserTraum kann im Kostümfundus der Tanzschule Kurrat wahr werden, denn dort können seit Anfang des Jahres auch Privatkunden nach dem passenden Kleidungsstück für den Karneval oder die eigene Show suchen. Schon die farbenprächtige Dekoration im Fenster des ehemaligen Pförtnerhauses auf dem Biomalzgelände zieht Blicke magisch an. Goldbetresste Fantasieuniformen, Chiffonblusen mit Rüschen,  paillettenbestickte Masken und originelle Kopfbedeckungen zeigen nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Fundus, in dem sich seit 20 Jahren so einiges angesammelt hat. Das meiste davon haben Kerstin Kurrat und Tochter Tina Hammerschmidt selbst genäht. Anfangs hatte sich die Tochter bei der Mutter nocheiniges abgeguckt, vor allem handwerklich . „Aber dann“, sagt Kerstin Kurrat, “entwickelte Tina zunehmend ein Gespür für Stoffe und Schnitte“. Da alles für die Bühne sei, stehe der Showwert natürlich im Vordergrund und da habe die Tochter richtig tolle Ideen, stellt die Mutter stolz fest.

Bei historischen Kostümen orientieren sie sich an Vorlagen, beispielsweise alten Gemälden. Allerdings achten sie darauf, dass die Robe die Trägerin nicht zu sehr einengt, denn in den Kostümen muss man tanzen können. Eine Herausforderung, die schon beim Entwerfen miteinfließt. So muss zwar die Silhouette des Kostüms der Zeit entsprechen, ebenso wie Details an Ärmeln und Dekolletee, das Kleidungsstück aber die jeweilige Epoche nur zitieren. Allerdings gibt es im Fundus auch einige Originale aus den Siebziger und Achtziger Jahren. Kerstin Kurrat nimmt ein rosafarbenes Babydollkleid mit Stickereien vom Ständer, dreht es nach denklich hin und her. Das habe sie einmal selbst getragen, erzählt sie, damals bei einem Showauftritt im Palast der Republik, und im Publikum soll auch Erich Honnecker gewesen sei. Sie lacht, streicht über ein weißes Seidenkleid mit Rüschen. „Ein Hochzeitskleid, das die Besitzerin irgendwann nicht mehr im Kleiderschrank haben wollte“. Daneben hängen romantische Tutus und glitzernde Roben. Die Glitzerstoffe für die Auftrittsgarderobe reflektieren nicht nur Licht, sie sind auch dehnbar. Weil es solche Stoffe in Deutschland nicht gibt, wird die Ware in London geordert. Auch die eindrucksvollen Fransen, die Revuekostümen Schwung verleihen, gibt es in guter Qualität nur auf Mallorca. Was die Kostümierung zum Karneval betrifft , ist von bunt, schrill bis verrückt alles erlaubt. Ausprobieren kann daher sich er auch viel Spaß machen, allerdings vor allem der Damenwelt, denn das Angebot für Herren ist nich  ganz so groß. Gefragt seien zurzeit vor allem Prinzessinnenkleider, auch die Meerjungfrau ist ein Renner, ebenso wie Sissi-Kleider, sagt Tina Hammerschmidt. Für Kinder sind zudem Tierkostüme im Angebot, darunter Katzen, Mäuse und kleine Drachen. Wer sich bayrisch aufpeppen will, greift zum Wiesn Dirndl – auch eine Eigenkreation. Kunden mit Extrawünschen wird Garderobe auf den Leib geschneidert. Da die Tanzgarderobe im Kostümfundus zumeist in Serie gefertigt wurde,  richtet sich das Verleihangebot besonders an Gruppen, Schulklassen und andere Tanzgruppen.


Quelle:
K.Graulich - BäkeCourier Ausg. 03/11 "JG.

Fast im Verborgenen entstehen auf dem Gewerbehof von Biomalz Kunstwerke aus Stein und Stahl

presse01Wer Achim Schmidt in seiner Werkstatt auf dem Biomalzgewerbehof besucht, wird an der Eingangstür von einer fidelen Vogelschar begrüßt. Aber anders als ihre gefiederten Verwandten sind die stummen Gesellen mit den großen Zwitscherschnäbeln aus Stein und Stahl. Das sind die Materialien, die Achim Schmidt am liebsten bearbeitet, um daraus seine Skulpturen zu gestalten. Dazu zählen Fische, Mäuse, Elefanten und Schildkröten. Es sind alles Unikate, keine Figur gleicht der anderen. „Es kommt auf den Stein an“, erklärt der 56-jährige Berliner, „sobald ich den in der Hand halte, weiß ich, das wird ein Frosch oder ein Fisch“. Jeder Stein habe einen spezifischen Charakter, den er bei der Gestaltung nur übernehme. Wichtiges Gestaltungselement seien die Augen, schon der Abstand von nur wenigen Zentimetern könne den ganzen Ausdruck verändern. Runde Unterlegscheiben sind den männlichen Tieren der Vogelwelt vorbehalten, die Weiblichkeit trägt Schraubenmuttern. Das sei ausreichend, um das Geschlecht seiner Kreationen bestimmen zu können, sagt ihr Schöpfer. Nur manchmal erhalten die Vogel-Herren noch ein paar schwungvolle Stahlantennen, weil Männchen in der Tierwelt ja auch etwas extravaganter wären, meint Achim Schmidt. Seine Zutaten aus „handgeschnitztem Edelstahl“ passen aber auch zu Glas und Holz.

Zum Beweis nimmt er einen bauchigen Glasstein in die Hand, legt ein Metallband herum und beschreibt mit der anderen Hand die Teile, die nötig sind, um einen Elefanten zu erschaffen. Da, wo die meisten nur eine vage Form zu erkennen vermögen, hat Achim Schmidt das Ergebnis bereits vor Augen. Schon als Kind sah er in alltäglichen Dingen mehr als andere. So faszinierten ihn einst alte Radioröhren, aus denen er kleine Roboter bastelte. Später als Maschinenbauingenieur baute er hin und wieder für Kollegen kleine Kunstwerke. Das Handwerk der Metallbearbeitung erlernte er während des Studiums. Auch Schmieden und Schweißen gehörte dazu. Seine Werkstatt, in der er seit 2003 arbeitet, ist eine ehemalige LKW-Garage, die er unterteilt hat in weiße und schwarze Werkstatt für Stahl- und Eisenbearbeitung. Den traditionellen Amboss nutzt er noch und in der Mitte brummt ein Kamin, auf dem er manchmal Essen kocht. Neben Skulpturen übernimmt er auch andere Gestaltungsaufgaben, wie einen schmiedeeisernen Speisekartenständer für eine Gaststätte und in der weißen Werkstatt baut er gerade aus Edelstahl ein Gestell für einen Couchtisch. Auf seinem Arbeitsplatz liegen viele Zettel mit Kundenbestellungen. Auf einem wird „ein mittleres Cha Cha Cha“, gewünscht, was ein mittelgroßes Tanzpaar meint, das den traditionellen Hüftschwung zelebriert. Auch Tango und Disko sind oft gefragt. „Ich gebe mir Mühe, dass man den jeweiligen Tanz an der Haltung der Figuren erkennt“, sagt Achim Schmidt und schleicht dabei demonstrativ mit zackigen Schritten über den Steinfußboden. Beim Tango, erklärt er, stehe das Paar sehr eng und die Dame hake sich beim Partner auf Achselhöhe ein. Die Steine, die er für seine kulpturen verarbeitet, sucht er nicht mehr selbst. Er kauft sie, weil zum Suchen keine Zeit mehr bleibt. Früher sei er aus jedem Urlaub mit einigen Fundstücken heimgekehrt. Die verstaute er unterm Sitz, weshalb sein Sohn die Heimreise auf der Rückbank mit angezogenen Knien erdulden musste. Auslöser für die freiberufliche Tätigkeit war eine Vogelskulptur, die Achim Schmidt seiner Frau 1996 zum Geburtstag schenkte. Nachdem das Werk im Garten positioniert
war, gefiel es Freunden und Nachbarn so gut, dass sie gleich Bestellungen aufgaben. Irgendwann brauchte der kreative Tatendrang mehr Raum. Doch die Entscheidung, ob aus dem Hobby ein Beruf werden sollte, überließ Achim Schmidt seiner Frau. „Sie hat zum Glück Ja gesagt“. Vielleicht auch, weil ihr klar war, dass in dem Ingenieur eher ein Künstler steckte. Und der bekennt: „Es macht Spaß, auch wenn ich an manchen Tagen zwei Schichten absolviere und meine Frau mich nicht oft sieht“. Selbständigkeit erfordere zudem Disziplin. „Ich bin nicht nur Künstler, sondern auch Geschäftsmann“, sagt er und als solcher sei er auch auf Kunstmärkten zu finden, beispielsweise auf der Straße des 17. Juni in Berlin. Ebenso trete er bei Festen mit einer Schau-Schmiede auf.

www.design-fuer-geniesser.de

Bäke Courier 02/2010 5. KW
Kirsten Graulich